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Brennessel, verkanntes Kräutlein
Der bekannte Naturarzt und Dichter des „Struwwelpeter“, Dr. Heinrich Hoffmann (1809 – 1894) pries ihre heilenden Kräfte in folgenden Versen:
Brennessel, verkanntes Kräutlein
Brennessel, verkanntes Kräutlein, Dich muß ich preisen,
Dein herrlich Grün in bester Form baut Eisen,
Kalk, Kali, Phosphor, alle hohen Werte,
Entsprießend aus dem Schoß der Mutter Erde,
Nach ihnen nur brauchst Du Dich hinzubücken,
Die Sprossen für des Leibes Wohl zu pflücken,
Als Saft, Gemüse oder Tee sie zu genießen,
Das, was umsonst gedeiht in Wald, auf Pfad und Wiesen,
Selbst in noch dürft´ger Großstadt nahe Dir am Wegesrande,
Nimms hin, was rein und unverfälscht die gütige Natur
Dir heilsam liebend schenkt auf ihrer Segensspur!
Albrecht Dürer betrachtete die Brennnessel als eine “von Gott geschenkte Pflanze”, was in seinem Bild, auf dem ein Engel mit einer Brennnessel in der Hand zum Thron des Allmächtigen emporfliegt, zum Ausdruck kommt.
Der Privatgelehrte und Dichter Friedrich Rückert (1788 – 1866) wusste schon:
Wenn ihr an Nesseln streifet,
So brennen sie;
Doch wenn ihr fest sie greifet,
Sie brennen nie.
So zwingt ihr die Feinen,
Auch die gemeinen Naturen nie.
Doch preßt ih wacker
Wie Nußaufknacker,
So zwingt ihr sie.
Früher “peitschte” man sich mit Brennesseln, benutzte sie zum “Liebesgeißeln” - autsch! (Sich mit Brennnesseln zu schlagen erzeugt an der betreffenden Stelle ein stundenlanges Wärmegefühl, fördert die Durchblutung und eignet sich deshalb hervorragend bei schmerzenden Gelenken, Rheuma- oder Ischiasbeschwerden. Es kostet nichts - höchstens Überwindung!
Die Brennessel wirkt blutreinigend bei Hautkrankheiten, stimuliert die Verdauungsdrüsen (in Magen, Darm, Bauchspeicheldrüse, Leber, Galle) und hat zudem eine milchbildende, blutzuckersenkende, entgiftende und stoffwechselanregende Wirkung. Kraut, Blätter und Samen enthalten viel Vitamin C, Vitamin A, Mineralsalze (vor allem Kalium und Kalzium), Chlorophyll, Karotinoide und organische Säuren. Die Brennesselblätter sind besonders reich an Proteinen (5 bis 9 Prozent des Frischgewichts, das heißt ungefähr 40 Prozent des Trockengewichts, also fast doppelt so viel wie die Sojabohne.
Und es hat sich bei aufgeklärten Menschen immer mehr herumgesprochen, dass Brennesseln einen großen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren haben. “Mehr als ein Unkraut” hieß ein Beitrag zum diesjährigen Bundeswettbewerb “Jugend forscht” , bei dem das Öl der Samen der Großen Brennessel auf ihre Inhaltsstoffe untersucht wurde.
Deren Schlussfolgerung:
Aufgrund der gefundenen ernährungsphysiologisch wertvollen ungesättigten Fettsäuren ist die Große Brennessel keineswegs nur als Unkraut, sondern auch als wertvolles Naturkraut anzusehen, von dem sich nicht nur die Blätter und Stengel, sondern auch die Samen als Rohstoff nutzen lassen.
Wildpflanzen wie Brennesseln sind aber nicht nur sehr lecker, sondern sie sind auch eine sehr wichtige Nährstoffquelle. Sie erhalten erstaunlich viele Vitamine und Mineralsalze und was kaum bekannt ist: Sie sind reich an Proteinen, die aufgrund ihrer Aminosäurenstruktur eine hohe biologische Wertigkeit haben.
Die Brennessel wächst gottlob überall und ist eine der wertvollsten Wildpflanzen. Liebt sie und esst sie täglich. Sie ist auch bei Euch in den Großstädten zu finden und zu essen, weil sie so schön hoch wächst und die Hunde da nicht draufmachen können. Sie enthält gegenüber dem Kopfsalat das 25-fache an Magnesium, das 30-fache an Vitamin C, das 20-fache an Provitamin A, das 40-fache an Kalzium, das 50-fache an Eisen. Die Brennesselblätter sind besonders reich an Proteinen (5 bis 9 Prozent des Frischgewichts, das heißt ungefähr 40 Prozent des Trockengewichts, also fast doppelt soviel wie z.B. die Sojabohne).
Aktion Eichhörnchen - Superfood selbstgemacht!
Wenn Ihr Angst habt, im Winter nicht genügend wildes Grün zu finden, könnt ihr die Samenstände auch trocknen (am besten und energiesparendsten) in der warmen Luft. In langen und kalten Wintermonaten kann man sie dann über die Winternahrung streuen. Sie geben ein intensives Aroma und sorgen mit ihren Vitaminen und Spurenelementen, die dann doch auch noch in abgeschwächter Form enthalten sind, für zusätzliche Vitalstoffe.
Noch ein praktischer Tipp: Wenn Ihr sie in euren Gärten ab und zu mit der Sense beschneidet, könnt ihr immer wieder die frischen Triebe essen.